Du kannst Ferien machen, wenn…

Vor einiger Zeit erhielt ich auf eine E-Mail von mir eine Out-of-Office-Antwort mit folgendem Text:

„Warum kann ein Formel 1 Auto so schnell fahren? Weil es so gute Bremsen hat! Aus diesem Grund bin ich die nächsten 3 Wochen in den Ferien . . .“

Ich musste lachen, als ich das las und hab die Nachricht mit meinem Team besprochen. Sie trifft nämlich einen wichtigen Punkt. Arbeiten wir in Organisationen, in denen man nur dann eine Pause macht, wenn man wirklich erschöpft ist? Oder werden Ferien als etwas Selbstverständliches gesehen, das uns hilft, Energie zu bewahren und zu gewinnen? Wird erwartet, dass man sich völlig verausgabt und sich die Ferien erst einmal verdienen muss? Oder kann man Urlaub machen, wenn man es sich wünscht?

Gemäss einer von Microsoft veröffentlichten Studie mit 20.000 Menschen aus 11 verschiedenen Ländern fühlen sich 48% der Mitarbeitenden und 53% der Führungskräfte ausgebrannt. Das ist der höchste je gemessene Wert und er zeigt deutlich, dass es offensichtlich noch viel zu viele toxische Unternehmenskulturen gibt, in denen Ferien als notwendiges Übel und nicht als wertvolles Instrument für die Gesundheit und Produktivität der Mitarbeitenden gesehen werden. In denen man belächelt wird, wenn man sich erlaubt, mehr als 5 Wochen im Jahr Urlaub zu machen oder ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn man kurzfristig ein verlängertes Wochenende beantragt.

Dabei gibt es klare Evidenz, dass Mitarbeitende die regelmässig Ferien nehmen eindeutig kreativer, glücklicher und produktiver sind (vgl. Pasricha & Nigam). Aber vorsichtig nicht jeder Urlaub hat diesen Effekt. Nur wenn wir es schaffen in den Ferien wirklich abzuschalten und sie möglichst stressfrei zu gestalten, sehen wir diese positive Wirkung. Das wird aber schwierig, wenn 61% der Beschäftigten gemäss einer Studie berichten, dass sie in ihren Ferien immer auch arbeiten (müssen). (vgl. Glassdoor Employment Confidence Survey).

Arbeitgeber und Führungskräfte sollten darum verstehen, dass eine Auszeit keine Zeitverschwendung ist, sondern ein Investment in Gesundheit, Well-Being und Produktivität. Ausserdem sind Ferien nicht etwas, das Mitarbeitende ablenkt oder gar aus dem Tritt bringt, sondern eine grosse Chance wieder Fokus und Aufmerksamkeit zu finden.

Ich bin zwar kein Formel 1 Wagen, aber ich mach jetzt auch erst mal 3 Wochen Ferien in der Hoffnung, dass ich danach wieder schneller fahren kann.

Dieser Beitrag wurde von Wolfgang Jenewein am 11.08.2025 auf LinkedIn veröffentlicht. Zum Original-Beitrag

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