Vom unbeliebtesten zum beliebtesten Schiedsrichter der Bundesliga – 5 Learnings von Deniz Aytekin

Am Freitag geht es wieder los. Die Bundesliga geht in die 62. Spielzeit. Vielerorts wird bereits diskutiert, wer dieses Jahr die Schale holt und wer der Top-Transfer in diesem Sommer war. Ich möchte diesen LinkedIn-Beitrag jedoch weder einem Verein noch einem Spieler widmen … sondern einem Bundesliga-Schiedsrichter: Deniz Aytekin.

Einst noch einer der unbeliebtesten Schiedsrichter ist er nun der beliebteste Schiedsrichter der Liga. In der Harvard Business Manager-Kolumne meines geschätzten Kollegen Prof. Dr. Wolfgang Jenewein durften wir mit Deniz Aytektin über die Gründe für diese «Transformation» sprechen und was die Wirtschaft davon lernen kann:

1. Nicht nur fachliche Kompetenz: Wie viele Manager musste Aytekin erst lernen, dass fachliche Kompetenz allein nicht zum Erfolg führt. Zu Beginn seiner Karriere merkte er: Mit robustem Auftreten kann er zwar Entscheidungen formal durchsetzen, aber er dringt in hitzigen Situationen oft nicht zu den Spielern durch.

2. Emotionale Intelligenz und ein echtes Interesse: Über die Jahre hat Aytekin feine Antennen für Stimmungen entwickelt. «Es geht darum, echtes Interesse an der Person zu haben. Und zwar gerade dann, wenn du selbst gestresst bist und es dir schwerfällt.» Er weiss: Verschiedene Spielertypen brauchen unterschiedliche Arten der Ansprache. Gerade in emotional aufgeladenen Situationen versucht Aytekin deshalb, die Gefühle seines Gegenübers zu verstehen und einen individuellen Zugang zu finden.

3. Ruhige und klare Kommunikation: Aytekin versteht es, mit Spielern auf Augenhöhe zu sprechen und dabei respektvoll und verständnisvoll zu bleiben. Er hört zu und erklärt seine Entscheidungen, was die Akzeptanz seiner Urteile fördert.

4. Nahbarkeit statt Perfektion: Bis heute sei es ihm nicht gelungen, ein zu 100 Prozent fehlerfreies Spiel zu machen. Für Aytekin steht fest: «Kein Mensch mag perfekte Menschen. Im Gegenteil: Wenn du auch mal Fehler eingestehst, steigert das die Akzeptanz. Das gehört dazu. Umgekehrt heisst das nicht, den Anspruch an sich selbst und die eigene Leistung zurückzuschrauben.»

5. Selbstreflexion und Weiterentwicklung: Aytekin ist ein Vorbild in Sachen Selbstreflexion. Er analysiert regelmässig seine Entscheidungen und nimmt Feedback ernst, um sich kontinuierlich zu verbessern. Diese Bereitschaft zur Selbstkritik und Weiterentwicklung zeigt, dass wahre Führungskräfte nie aufhören zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Deniz Aytekins Führungsstil auf dem Spielfeld ist ein Paradebeispiel dafür, wie Autorität, Empathie und Fairness Hand in Hand gehen können. Er zeigt, dass echte Führung nicht nur darin besteht, Regeln durchzusetzen, sondern auch darin, eine respektvolle und integrative Atmosphäre zu schaffen.

Dieser Beitrag wurde von Melan Thuraiappah am 20.08.2024 auf LinkedIn veröffentlicht. Zum Original-Beitrag

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