Effort vs. Effortless

„Streng dich mehr an.“ – Ein Satz, den wir alle schon gehört haben oder uns selbst gesagt haben. Und genau dieser Satz kann der Grund sein, warum Leistung in entscheidenden Momenten verhindert wird.

Ich glaube oft daran, dass durch mehr Anstrengung mehr Fortschritt erzeugt wird. Mehr Fokus, mehr Kontrolle, mehr Wille. Gerade in den Momenten, die uns wichtig sind, versuchen wir, Dinge aktiv herbeizuführen. Wir denken mehr nach, greifen stärker ein und wollen es „richtig“ machen.

Der Tennisprofi und Coach Timothy Gallwey beschreibt diesen Mechanismus als Unterschied zwischen Effort und Effortless: zwischen Erzwingen und Entstehen lassen. Seine Beobachtung ist so einfach wie unbequem: Mehr Anstrengung führt nicht automatisch zu besserer Leistung. In vielen Situationen passiert sogar das Gegenteil. Wir verlieren den natürlichen Fluss, werden unruhiger, verkrampfen und stehen uns selbst im Weg.

Mehr Kontrolle bedeutet nicht mehr Wirkung.

Das zeigt sich in vielen Bereichen. Im Sport, wenn Bewegungen plötzlich nicht mehr selbstverständlich sind. In Gesprächen, wenn wir zu sehr überlegen, was wir sagen sollten. Oder in Entscheidungen, wenn wir versuchen, jede Variable zu kontrollieren. Genau in den Momenten, in denen wir unbedingt wollen, dass etwas funktioniert, entsteht oft Widerstand. Nicht, weil wir es nicht können, sondern weil wir zu sehr eingreifen.

Timothy Gallwey beschreibt dazu eine Szene aus seiner Arbeit. Eine Frau, die über 20 Jahre keinen Sport gemacht hatte, stand plötzlich auf dem Tennisplatz und spielte besser, als sie selbst erwartet hatte. Nicht, weil sie sich mehr angestrengt hatte, sondern weil sie aufgehört hatte, jeden Schlag kontrollieren zu wollen.

Sie sagte später sinngemäss: Ich habe nicht versucht, es richtig zu machen. Ich habe es einfach passieren lassen.

Denn es gibt auch die anderen Momente. Momente, in denen wir nicht darüber nachdenken, nicht bewerten, nicht korrigieren, sondern einfach handeln. Gespräche werden klarer, Bewegungen fließender, Entscheidungen stimmiger. Leistung entsteht nicht durch mehr Druck, sondern durch weniger inneren Widerstand.

Wir unterschätzen, wie oft wir uns selbst im Weg stehen.

Effortless heisst nicht weniger Anspruch. Effortless heisst nicht weniger Leistung. Es bedeutet, aufzuhören, sich selbst zu stören, jeden Schritt zu zerdenken und stattdessen mehr dem zu vertrauen, was bereits in uns angelegt ist. Nicht alles muss mit Gewalt in die Welt gedrückt werden, nicht jeder Weg bis ins Letzte kontrolliert werden, nicht immer braucht es noch mehr Tun.

Ab und zu stimmt es also doch: weniger ist mehr.

Dieser Beitrag wurde von Melan Thuraiappah am 02.04.2026 auf LinkedIn veröffentlicht. Zum Original-Beitrag

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