„The first half is physical, the second half is mental“

80 Tage – jeden Tag ein Ultramarathon. Mein Coachee Savas Coban ist gestern um 17 Uhr Ortszeit in Istanbul eingelaufen. Nach der Durchquerung von Peru und der Mongolei ging es für ihn jetzt um die Türkei.

In den letzten Wochen bin ich immer wieder mit Savas in den Austausch gegangen. Ich sitzend im Auto, im Büro oder auf dem Sofa. Er mitten in seinem Lauf bei Kilometer 40, 50 oder 70. Früh hat sich herausgestellt, der Lauf wird ihn nicht körperlich herausfordern. Viele Andere schon, aber nicht ihn. Seine Herausforderungen waren ganz andere.

Was ihn an seine Grenzen gebracht hat? Nicht die Distanz, nicht der tägliche „Kampf“, nicht die Temperaturen, nicht die Steigung. Es waren die Dinge abseits der Strecke – verankert ganz tief im Inneren: in der Einsamkeit, im Umgang mit sich selbst, im Aushalten von Gedanken und Emotionen, für die es keinen unmittelbaren Ausweg gibt.

Ein gestern im Stern frisch veröffentlichter Artikel über Savas bringt einen besonderen Aspekt auf den Punkt: seine erlebte Einsamkeit.

Savas hat bisher all seine Projekte ohne Support-Team durchgeführt und hält hier auch einen Weltrekord. Eine unglaubliche Leistung, die vieles von ihm abverlangte.

Was Körper und Training vorbereiten – entscheidet die Psyche zu Ende.

Eine Erkenntnis, die in der Wissenschaft nichts Neues ist. Ultraausdauer-Athleten berichten, dass der mentale Anteil bei Ultraausdauerleistungen oft grösser ist als der körperliche. Bei Ultraausdauerleistungen entscheidet am Ende nicht der Körper – sondern der Kopf.

Daher waren für Savas die kurzen und kleinen Begegnungen die wertvollsten und entscheidenden Momente auf dieser Reise. Ein Gespräch an der Tankstelle. Ein Lächeln eines Verkäufers. Ein kurzer Austausch mit älteren Menschen im Café.

Darin lag die Menschlichkeit, die Verbindung, der Halt – für ein Projekt, das äusserlich episch wirkt, aber innerlich zutiefst persönlich ist.

Die eigentliche Leistung bestand darin, die eigenen Gedanken, Zweifel und Emotionen auszuhalten – ohne jemanden, der sie auffängt.

Von aussen betrachtet ein Ausnahmesportler – schaut man genauer hin, ein aussergewöhnlich reflektierter Mensch.

Dieser Beitrag wurde von Melan Thuraiappah am 21.11.2025 auf LinkedIn veröffentlicht. Zum Original-Beitrag

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