High Performance entsteht durch Reibung!

Einer meiner Sporthelden aus meiner Kindheit war Michael Schumacher.

Obwohl ich besonders seine Zeit bei Ferrari genossen habe, bietet die Geschichte seiner Anfangszeit bei Benetton eine schöne Lektion darüber, wie man Teams zu echter Hochleistung bringt.

Als Michael Schumacher Anfang der 90er Jahre zu Benetton kam, war er erst 22 Jahre alt. Er war jung und ehrgeizig – und er war anders als die anderen Fahrer.
Das Benetton-Team war erfahren. Die meisten Ingenieure waren schon seit Jahren in der Formel 1 tätig. Sie vertrauten einander. Sie hatten ihre Abläufe. Und die Verantwortlichkeiten waren klar geregelt:

Die Ingenieure waren für das Auto zuständig. Die Fahrer für das Fahren.
Die Ingenieure glaubten, sie wüssten, wie alles läuft. Aber dieser Neue, dieser Schumacher, stellte Dinge in Frage, die noch nie von einem Fahrer in Frage gestellt worden waren.

Zum Beispiel wollte er ein neues Display in seinem Cockpit, das ihm anzeigte, wie schnell er in jeder Kurve fuhr, seine Mindest- und Höchstgeschwindigkeit.
Die Ingenieure verstanden nicht, warum er diese Informationen brauchte. Sie lachten ihn sogar aus.
Doch Schumacher gab nicht so schnell auf. Er bestand drauf, dass dieses Display installiert wurde. Die Ingenieure stellten dann fest, dass sein Bauchgefühl perfekt mit den Daten übereinstimmte.

Als er sagte, dass das Auto bei 190 km/h die Traktion verlieren würde, sahen die Ingenieure genau dieses Muster in den Daten. Also begannen sie, ihm zu vertrauen.

Schumacher führte auch eine neue Arbeitsweise ein.
Er zwang alle, an stundenlangen Nachbesprechungen teilzunehmen, verlangte extreme Detailtiefe und bereitete sich minutiös vor. Er war sehr streng mit dem Team, aber genauso streng mit sich selbst.

Pat Symonds, sein damaliger Renningenieur, sagte später: „Er hat die Messlatte für Zusammenarbeit zwischen Fahrer und Technikern sichtbar angehoben.“

Diese Kultur war nicht immer harmonisch – im Gegenteil. Es führte zu Reibereien und Frustrationen. Es wurde diskutiert, gestritten, korrigiert. Doch genau diese Spannung machte das Team besser.
Trotz vieler Herausforderungen feierte das Team dann die ersten Erfolge.

1994 holte er – trotz Sperren und Kollisionen – den ersten Titel; 1995 dominierte er die Saison mit 9 Siegen und bescherte Benetton zugleich den einzigen Konstrukteurstitel der Teamgeschichte.

Diese Geschichte zeigt:

Echte Leistung entsteht, wenn Menschen ehrlich miteinander sind, sich fordern und gegenseitig antreiben.

Wenn man den Mut hat, Bestehendes in Frage zu stellen.

Wenn man bereit ist, Reibungswärme auszuhalten – im Wissen, dass daraus Energie entsteht.

Zu viel Harmonie ist Stillstand. Fortschritt braucht Reibung.

Und was für eine mentale Stärke Michael Schumacher gezeigt hat: Mit 22 Jahren den Mut zu haben, erfahrene, gestandene Ingenieure herauszufordern.

Das war sicher nicht in seiner Komfortzone. Das war bestimmt nicht leicht.
Aber er hat es trotzdem getan. Ein absoluter Gewinnermindset.

Dieser Beitrag wurde von Zani Sharifi am 10.11.2025 auf LinkedIn veröffentlicht. Zum Original-Beitrag

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