„Leistung statt Wohlfühlkultur“ – mit diesen Worten beschreibt die HANDELSZEITUNG aktuell den Wandel in vielen Unternehmen. Nestlé, UBS, Sulzer oder ABB fordern wieder mehr Ergebnisorientierung, Tempo und Klarheit.
Das klingt zunächst richtig.
Leistung ist das Rückgrat jeder Organisation. Ohne Leistungsbereitschaft, Fokus und Verantwortung bleibt kein Unternehmen langfristig erfolgreich.
Und ja, es stimmt: Viele Organisationen haben es sich in den letzten Jahren etwas zu bequem gemacht. Zu viele Meetings, zu wenig Fokus, zu viel Absicherung, zu wenig Mut.
Aber zwischen einer echten Performance-Kultur und einer Kultur des Drucks liegt ein grosser Unterschied.
Druck ist ein hervorragender Motivator. Kurzfristig kann er neue Energie aktivieren und Systeme, die auf Sparflamme liefen, wieder zum Brennen bringen.
Doch Druck kann keine langfristige Strategie sein. Eine Hochleistungskultur entsteht nicht, wenn Menschen Angst haben. Sie entsteht nicht durch mehr Kontrolle. Wer nur auf kurzfristige Resultate schaut, erschöpft am Ende genau die Ressourcen, die langfristige Leistung überhaupt erst möglich machen.
Wenn Führung aufhört, sich hinter Wohlfühlprojekten zu verstecken, ist das gut.
Wenn sie aber in alte Reflexe aus Kontrolle, Druck und Angst zurückfällt, ist das gefährlich. Mehr vom Gleichen, in der Hoffnung, dass plötzlich alles anders wird.
Das ist nicht High Performance – das ist nur lauter.
Die besten Teams – im Sport wie in Unternehmen – zeichnen sich nicht durch ständige Angst vor Versagen aus, sondern durch eine gemeinsame Leidenschaft für Exzellenz.
Glaubt ihr wirklich, ein Fussballspieler, der Angst um seinen Platz hat, bringt am Wochenende seine beste Performance?
Ich verstehe den Impuls vieler CEOs, in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit klare Leistungsprinzipien einzuführen.
Aber der Unterschied zwischen einer echten Performance-Kultur und einer Rückkehr zur Angstkultur ist hauchdünn. Es fühlt sich an, als wäre das Pendel zu weit in eine Richtung ausgeschlagen – und jetzt, im Versuch gegenzusteuern, schwingt es zu weit in die andere.
Am Ende ist das Ziel nicht, dass Menschen „rennen, weil sie müssen“, sondern „rennen, weil sie wollen“.
Dieser Beitrag wurde von Zani Sharifi am 05.11.2025 auf LinkedIn veröffentlicht. Zum Original-Beitrag