Wer Loyalität will, soll sich einen Hund kaufen!

Vor kurzem traf ich innerhalb einer Woche 2 Manager aus verschiedenen Unternehmen, die unabhängig voneinander jeweils ein Massband mit zur Arbeit bringen, um die verbleibenden Tage bis zum Ruhestand runterzuzählen. Wie traurig dachte ich!

Ich kannte das von meiner Bundeswehr Zeit. Viele empfanden den Wehrdienst damals als unangenehme Pflicht und konnten es wie auch ich kaum erwarten endlich wieder «frei» zu sein. Es macht mich nachdenklich, dass so viele Menschen das Ende ihres Berufslebens offensichtlich auch als lästige Pflicht ansehen und es kaum erwarten können, bis es vorbei ist.

Was sind die Gründe für diese resignative Stimmung? Hier mein Erklärungsversuch:

  1. Loyalität ist ein Mythos: Viele Menschen haben 20 ja teilweise 30 Jahre ihres Lebens in ein und derselben Company verbracht. Sie haben Angebote von anderen Organisationen ausgeschlagen und fühlten sich verbunden mit ihrem Arbeitgeber. Auch in der Hoffnung, dass diese Loyalität gesehen und belohnt wird. Doch plötzlich muss man um seinen Job fürchten, es gibt keine Sicherheiten mehr, Reorganisationen und Massenentlassungen sind die neue Realität. Viele fühlen sich alleingelassen. Ein ehemaliger CEO von einem grossen Autokonzern sagte einmal zu mir, auf die Frage, ob Loyalität für ihn ein wichtiger Wert sei: «Wer Loyalität will, soll sich einen Hund kaufen!»
  2. Mangelnder Impact: Nach anfänglichen Jahren der Entwicklung und des Lernens stellen viele fest, dass sie stagnieren. Man startet alle 3 Jahre mit einem neuen Projekt, ist motiviert und hat grosse Ambitionen wie sehr man damit das Unternehmen verbessern wird, um dann nach vielen zermürbenden Monaten festzustellen, dass das Projekt doch wieder an der internen Politik, der Bürokratie oder der nächsten Reorganisation zerschellt ist. Einmal mehr «als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet». Egal was man tut, es ändert ja doch nichts.
  3. Toxische Unternehmenskulturen: Bei der Einstellung wird einem noch von der positiven Unternehmenskultur und dem starken Miteinander vorgeschwärmt, doch schon bald bemerkt man, dass es nur um Ergebnisse geht. Quartalsweise werden KPIs, MBOs und OKRs eingefordert, aber keiner frägt, wie die Zahlen erreicht wurden. Das fördert EGOs und schwächt das WIR. Die Menschen spüren es wird eine Menschenorientierung gepredigt, aber eine knallharte Resultats Orientierung gelebt. In der Folge ziehen sich viel zurück, üben sich im «lowballing» und vermeiden die Interaktion mit den Egos.

Ich würde mir eine Arbeitswelt wünschen, in der die Mitarbeitenden nicht schon Jahre vorher zählen wie lange sie noch arbeiten müssen. Sondern sich jeden Tag auf die Arbeit freuen und am Ende sogar traurig sind, dass es schon wieder vorbei ist.

Dieser Beitrag wurde von Wolfgang Jenewein am 08.09.2025 auf LinkedIn veröffentlicht. Zum Original-Beitrag

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