Vorsicht Verblödungsgefahr! Macht uns KI dümmer?

Vorsicht Verblödungsgefahr! Macht und KI dümmer?

In einer MIT-Studie wurden Teilnehmer gebeten, einen Aufsatz zu schreiben – einmal ohne Hilfe, einmal mithilfe von Suchmaschinen und einmal mit KI-Tools wie ChatGPT. Während der Aufgabe wurden ihre Gehirne gescannt (vgl. Kosmyna et al., 2025).

Die Teilnehmer, die KI nutzten, konnten die Aufgabe 60 % schneller abschliessen. Ihre Gehirnaktivität nahm jedoch gegenüber den anderen Gruppen um 47 % ab, und 83 % konnten sich nicht einmal mehr an einen einzigen Satz erinnern, den sie geschrieben hatten.

Die Nutzung von KI führt zum sogenannten Cognitive Offloading – bei dem Menschen Gedächtnis- und Problemlösungsaufgaben an die Technologie auslagern.

Das ist nichts Neues. Schon 2011 tauchte der Begriff „Google-Effekt“ auf: Wenn Informationen jederzeit verfügbar sind, speichern wir sie nicht mehr ab.

Dies setzt zwar mentale Ressourcen für andere Aufgaben frei. Eine übermässige Abhängigkeit kann jedoch die Fähigkeiten zum kritischen Denken beeinträchtigen. Wissenschaftler beschreiben dies als „kognitive Atrophie“. Unsere kognitiven Fähigkeiten nehmen aufgrund mangelnder Nutzung ab. Dabei gilt: Je häufiger Menschen KI nutzen, desto schwächer schneiden sie tendenziell beim kritischen Denken ab (vgl. Gerlich, 2025).

Was bedeuten diese Erkenntnisse aber nun?

1. Keine Panik.

Jede neue Technologie bringt Vor- und Nachteile! Ein Blick in die Geschichte zeigt: Auch 1972 waren 70 % der Lehrer gegen den Einsatz von Taschenrechnern, und auch die Erfindung von Computern wurde anfangs mit der „Verblödung“ der Menschheit assoziiert. Die Angst vor Veränderung sollte nicht unser Handeln leiten.

2. Lass dir helfen – aber lass nicht zu, dass KI dein Denken bestimmt.

„Technologie ist ein nützlicher Diener, aber ein gefährlicher Meister” (Ch. Lange).

In der MIT-Studie schnitten die Teilnehmer am besten ab, die zunächst eigenständig arbeiteten, ihre Essays zu Beginn ohne Hilfe schrieben und erst in einem zweiten Schritt KI nutzten, um ihre Essays zu verbessern.

Ich lasse meine Beiträge auch nie von KI schreiben. Die Idee, die Kernargumente und die erste Version des Textes kommen immer von mir. Anschliessend nutze ich KI gelegentlich, um den Text mit weiteren Argumenten oder Fakten zu ergänzen.

3. Use it or lose it!

Zu viel kognitive Auslagerung schafft Bequemlichkeit. Führung lebt von Empathie, Perspektivwechseln und Sinnstiftung. Wer aber alles outsourct, schwächt genau die Muskeln, die man als Führungskraft braucht.

Dasselbe gilt für Teams. Neue Ideen entstehen durch Reibung und Vielfalt.
Wenn jedoch jeder seine ersten Gedanken an die KI delegiert, konvergieren Gruppendiskussionen zu schnell zu „durchschnittlichen“ Antworten und Zusammenarbeit zu einem rationalen, kühlen Abarbeiten. Es entsteht schneller Konsens, aber wenig Tiefe, Emotionalität und Kreativität.

Die entscheidende Frage lautet also: Dominierst du deine KI oder dominiert sie dich?

Dieser Beitrag wurde von Wolfgang Jenewein am 29.08.2025 auf LinkedIn veröffentlicht. Zum Original-Beitrag

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