Longevity – wozu länger leben?

Wollt ihr auch so lange wie möglich leben? Obendrein auch noch gesund und glücklich dabei sein? Ja, das wäre schön! Und mittlerweile gibt es ja dank der fortschreitenden Forschung gute Chancen diesen Traum zu realisieren. Gleichzeitig entsteht derzeit eine riesige Industrie rund um das Thema Longevity und an jeder Ecke erhält man Tipps und Treatments um den Tod und das Leid möglichst lange hinauszuzögern.

Man sollte: Intervallfasten, Heilfasten, nur Obst und Gemüse, auf keinen Fall Zucker und auch keinen Alkohol zu sich nehmen. Man sollte regional, nicht zu spät und nicht zu viel essen. Was der Körper nicht selbst an Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen aufbauen kann, sollte man mit Supplements ergänzen.

Wer lange leben will, sollte unbedingt auf seinen Schlaf achten! Idealerweise jeden Tag zur gleichen Zeit einschlafen und aufwachen. Mindestens 7 Stunden schlafen und dabei ausreichend Deep Sleep und REM-Sleep auf seinem Schlaftracker ausweisen.

Nicht zu vergessen die Bewegung. Wir waren Jäger und Sammler und darum muss das Skelett bewegt werden. Mindestens 20.000 Schritte am Tag zusätzlich Kraft und Mobility trainieren.

Wer den Verfall noch weiter rauszögern will, sollte auch auf keinen Fall die neuesten Trends wie Eisbaden, Bio-Infusionen, Schwermetallausleitungen, Biohacking, u.ä. verpassen.

Die Longevity-Forschung sagt erfreulicherweise auch, dass für ein langes und glückliches Leben soziale Kontakte, enge Freunde und eine gute Beziehung wichtig sind.

Das einzige Problem dabei ist, dass einem kaum noch Zeit für Freunde bleibt, wenn man all den oben genannten Ratschlägen folgt. Und falls doch, besteht die Gefahr, dass diese zunehmend genervt von all der Disziplin und Enthaltsamkeit ihres Freundes sind.

Um ehrlich zu sein, ich glaub ich hab es auch übertrieben mit der Longevity. Kürzlich hab ich zumindest Feedback von Freunden erhalten, dass es früher einfacher war mit mir Essen zu gehen oder zu feiern.

Das hat mich nachdenklich gemacht und ich spüre selbst, dass mir mit all den Gesundheitsroutinen die Unbeschwertheit ein wenig verloren gegangen ist und es anstrengend ist, dem „Longevity-Protokoll“ ständig Folge zu leisen.

Vor Kurzem las ich dann ein Interview von Arthur Brooks, dem berühmten Glücksforscher, in dem er sagt, die meisten Menschen können sehr genau das «Wie» von Longevity beschreiben. Sie sprechen von Ernährung, Bewegung, Schlaf oder Kältekammern. Wenn man sie aber frägt, «Warum» sie das Leben verlängern wollen, bekommt man keine wirklich gute Antwort, weil das «Warum» das «Wie» obsolet macht. Wer auf einer Wanderung immer Angst hat, über die nächste Wurzel zu fallen, kann die Aussicht nicht geniessen, weil er immer damit beschäftigt ist den Sturz zu vermeiden. Anders ausgedrückt: Nur wer keine Angst mehr hat etwas zu verlieren, kann dieses Etwas auskosten. Das gilt für die Liebe wie für das Leben.

Dieser Beitrag wurde von Wolfgang Jenewein am 15.08.2025 auf LinkedIn veröffentlicht. Zum Original-Beitrag

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