Baby Boomer – eine Würdigung!

Jeden Tag gehen in Deutschland ca. 4’800, in der Schweiz ca. 400 und in den USA ca. 11’500 Menschen in Rente. Überall liest man welche Folgen das für unsere Gesellschaft, die Demografie und den Arbeitsmarkt hat und wie sehr man sich jetzt um die junge Generation bemühen muss. Eine Würdigung der Baby Boomer (geb. 1945 – 1965), welche grossen Anteil am Wohlstand in unserem Land haben, liest man kaum.
Stattdessen hab ich in den letzten Jahren in diversen Workshops immer wieder gehört, dass eine Hoffnung für eine bessere Unternehmenskultur das Ausscheiden der Baby Boomer sei. Ganz nach dem Motto: «Wenn die Alten erstmal weg sind, dann wird hier vieles besser». Die damit einhergehenden Vorwürfe sind vielfältig: Baby Boomer haben wenig Ahnung von Digitalisierung, denken hierarchisch, führen über Command und Control und haben kein Verständnis für Remote Work.

Ja, an diesen Vorwürfen ist was dran und ich weiss, wie schwer es ist, sich unter so einer Führungskraft zu entwickeln. Aber machen wir es uns da nicht zu einfach? Anstatt sich ständig über die Älteren zu beschweren wäre es besser zu verstehen, woher dieses Verhalten kommt und in welchem Umfeld diese Generation konditioniert wurde. Alles hat seine Zeit, damals in den 80/90er Jahren war unsere Welt noch stabil und vorhersehbar. In so einem Umfeld ist Erfahrungswissen wertvoller als in einem volatilen Umfeld. Damals waren Menschen dankbar, wenn sie von dem Wissen des/der Dienstältesten profitieren durften. Das führte dazu, dass man über Hierarchien, fixe Zuständigkeiten und vorgegebene Prozesse die Unternehmen steuerte. Es gab wenig Empowerment, dafür hatte man Stabilität, Berechenbarkeit und Optimierung im System.

Insofern ist dieser Führungsstil auch ein Produkt des Umfeldes, in welchem die Menschen damals tätig waren. Und müssen wir nicht auch eingestehen, dass diese Generation wirklich was geschafft hat? In Deutschland hat sie die Automobil-, Maschinenbau- und Chemiebranche an die Weltspitze geführt und in der Schweiz hat sie die Finanz- und Pharmaindustrie gross gemacht.

Ja, wir müssen an die Zukunft denken, die Transformation unserer Unternehmen und unserer Gesellschaft ist dringend nötig und wir brauchen hierfür eine agile, aktivierende und positive Führungskultur. Diese Mammutaufgabe werden wir aber nicht bewältigen, wenn wir warten bis die Baby Boomer in Rente gehen und wir sie bis dahin als Old School aburteilen. Viel mehr braucht es einen Schulterschluss zwischen allen Generationen. Dieser gelingt aber nur über ein Aufeinander zugehen, ein wirkliches Verständnis für die anderen Generationen und einen wertschätzenden Dialog miteinander. Es reicht darum nicht ständig nur über die Bedürfnisse der Gen Y und Z zu sprechen und dabei die Werte und Prägungen der Baby Boomer und Gen X zu vergessen. Zukunft braucht Herkunft. Nur wer weiss woher wir kommen und versteht wer wir sind, kann Change erfolgreich führen und am Ende eine Legacy hinterlassen.

Dieser Beitrag wurde von Wolfgang Jenewein am 08.05.2023 auf LinkedIn veröffentlicht. Zum Original-Beitrag

Impulse mit Wirkung
Langweilige Vorträge? Gibt es schon genug. Mit Witz, Tiefgang und Insights aus dem Sport bewegen unsere Speeches emotional – Startpunkt echter Veränderung und Gelegenheit, uns kennenzulernen!